Positionen

  • Unsere Gesellschaft braucht den Sonntag!

    Der Schutz des Sonntags wird immer wieder ausgehöhlt, das zeigt die aktuelle Diskussion um eine Verkaufsöffnung am Heiligabend, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt. Der Bundeshauptausschuss hat jetzt ein deutliches Zeichen gesetzt.

    Hier der Wortlaut der Erklärung, die vom Bundeshauptausschuss des Kolpingwerkes Deutschland am 12. November in Stuttgart beschlossen wurde:

    Unsere Gesellschaft braucht den Sonntag!

    #Kolpingwerk Deutschland – Unser Konsumverhalten zwingt immer mehr Menschen dazu am Sonntag zu arbeiten!

    Millionen von Frauen und Männer beispielsweise in Pflege und Gesundheit, im Nah- und Fernverkehr, in Gastronomie und Kultur sowie bei Ordnungs- und Rettungsdiensten müssen am Sonntag zum Wohle anderer arbeiten. Dafür müssen wir ihnen dankbar sein!

    Zugleich stellt sich die Frage: Müssen wir wirklich sonntags shoppen gehen? Reicht es uns nicht von Montag bis Samstag einkaufen zu können? Ist es wirklich nötig, dass wir durch unser Konsumverhalten immer mehr Menschen dazu zwingen, sonntags zu arbeiten?

    In unserem Grundgesetz ist in Artikel 140 i.V.m. Art 136 ff WRV formuliert: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Seit der Föderalismus-Reform im Jahre 2006 obliegt der Ladenschluss in die Zuständigkeit der Länder. Etliche Bundesländer haben seitdem die bisherigen Regelungen erheblich gelockert.

    Das Kolpingwerk warnt vor einer zu maßlosen Liberalisierung des Ladenschlusses in den Bundesländern und erwartet einen konsequenten Schutz des Sonntags. Dies gilt auch, wenn der Heiligabend auf einen Sonntag fällt.

    Bereits in der Woche kommt durch eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten eine erhebliche Mehrbelastung auf Arbeitnehmende mit ihren Familien und Angehörigen zu. Dabei belastet die nicht immer mögliche Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt ohnehin schon den Alltag vieler Menschen. Unsere Gesellschaft braucht deshalb verlässliche und geschützte Ruhephasen, in der sie zu sich selbst finden und wieder Kraft tanken kann. Ein geschützter Tag in der Woche hat deshalb eine zentrale soziale Bedeutung für Familien und Freundeskreise, Verbände und Vereine. Der Sonntag muss ein besonderer Tag bleiben, als Tag der Erholung, der Gemeinschaft, der Kultur und des religiösen Lebens.

    Gerade eine Gesellschaft, die geprägt ist von Freiheit des Individuums, vielfachen Optionen, Geboten statt Verboten und daher heterogen strukturiert ist, und die sich vorwiegend an wirtschaftlichen Interessen ausrichtet, braucht im gleichen Maße allgemeinverbindliche Vereinbarungen um den Einzelnen von den belastenden Auswirkungen eines egoistischen Konsumverhaltens anderer zu schützen. 

  • Durch Einwanderungsgesetz Fachkräftemangel beseitigen

    Der drohende Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt soll durch ein Einwanderungsgesetz bekämpft werden. Dafür hat sich der Bundeshauptausschuss des Kolpingwerkes Deutschland ausgesprochen.

    Das Kolpingwerk Deutschland fordert die Bundesregierung auf, ein Einwanderungsgesetz auf den Weg der Gesetzgebung zu bringen, um unter anderem die Einwanderung qualifizierter Fachkräfte in Zukunft besser auch nach den Bedürfnissen unseres Arbeitsmarktes steuern und gestalten zu können. Die Regelungen zum Asylrecht bleiben von unserer Forderung nach einem Einwanderungsgesetz unberührt.

    Das Kolpingwerk Deutschland fordert den Gesetzgeber auf, folgende Punkte in einem Einwanderungsgesetz zu berücksichtigen:

    1. Die Einwanderung qualifizierter Fachkräfte zur Arbeitsaufnahme ist flexibel, effizient und nachvollziehbar zu steuern und zu kontrollieren.

    2. Ein Punktesystem, zugeschnitten auf die Bedürfnisse des deutschen Arbeitsmarktes, ist festzulegen. Das Punktesystem soll sich an Drittstaatsangehörige wenden, die zum Zwecke der Erwerbstätigkeit oder zur Arbeitsplatzsuche nach Deutschland einwandern wollen.

    • Das Punktesystem muss die Sprache, die schulische Qualifikation, die Ausbildung, das Alter und den Ausbildungsstand, sowie das Arbeitsplatzangebot als Indikatoren beinhalten.
    • Die Feststellung und Anerkennung der im Ausland erworbenen Qualifikationen muss schnell erfolgen. Dazu müssen Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und weitere berufsqualifizierende Bildungseinrichtungen mit den Betrieben zusammenarbeiten und genügend Qualifikationsangebote vorhalten. 
    • Für Berufe, in denen Fachkräftemangel herrscht, soll eine Einwanderung möglich sein, ohne einen Arbeitsvertrag zu besitzen (Potentialzuwanderung).

    3. Der Bundestag soll unter Berücksichtigung der arbeitsmarktpolitischen Bedürfnisse jedes Jahr das Kontingent der Einwanderung festlegen.

    4. Durch einen einheitlichen Fachkräftebegriff ist zu verdeutlichen, dass nicht nur Hochschulabsolventinnen und -absolventen einwandern können, sondern auch Menschen mit anderen Berufsqualifikationen.
     
    5. Einwanderung darf nicht dazu benutzt werden, das Lohnniveau zu senken. Auch für ausländische Fachkräfte, sind die einschlägigen tarifrechtlichen Regelungen bzw. die bestehende Gesetzeslage anzuwenden.
     
    6. Einwanderinnen und Einwanderer sollen bei Aufnahme der Erwerbstätigkeit (also bei vorhandenem Arbeitsvertrag) ihre Familie (Kernfamilie)¹ mitbringen können.

    Darüber hinaus sollte in einem Einwanderungsgesetz zusätzlich geregelt werden:
    1. Aus humanitären Gründen ist Asylsuchenden, deren Status anerkannt ist, die Möglichkeit zu geben, in Deutschland einen Einwanderungsantrag zu stellen.
    2. Integrierten Flüchtlingen, deren Flüchtlingsstatus erloschen ist, die aber in Deutschland bereits beruflich integriert sind, soll die Möglichkeit zur Einwan-derung gegeben werden.
    3. In Deutschland geborenen und aufgewachsenen Kindern aus Familien mit aufgehobenen Flüchtlingsstatus, soll die Möglichkeit zur Einwanderung gegeben werden.
    4. Der Verlust einer Ausbildungs- oder Arbeitsstelle darf nicht automatisch zur Ausreise aus Deutschland führen. Hier bedarf es ausreichender Übergangsfristen und der Unterstützung der Agenturen, um eine neue Ausbildungs- bzw. Arbeitsstelle zu finden.
    5. Die Maßgabe, dass ausländische Auszubildende ihren Lebensunterhalt gänzlich aus eigenen Mitteln sichern müssen, ist zu ändern. Der Zugang zur Ausbildungsförderung ist zu ermöglichen.
    6. Aus dem Ausland kommende junge Erwachsene, die nach einem Bildungsaufenthalt (z.B. Freiwilligendienst) eine Ausbildung in Deutschland beginnen wollen, sollen dies auch aus Deutschland heraus beantragen können.
    7. Um nach der Ausbildung eine Weiterbeschäftigung in Deutschland zu ermöglichen, ist eine Antragstellung schon während der Ausbildung zu gewähren.

  • Prekäre Lebenslagen, Familiennachzug, Europa

    Der Bundeshauptausschuss des Kolpingwerkes Deutschland erklärt: Am Umgang mit diesen Themen werden wir die neue Bundesregierung messen!

    1. Prekäre Lebenslagen

    Deutschland geht es gut. Es sind so viel Menschen in Beschäftigung wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die Steuereinnahmen sprudeln auf Rekordhöhe. Die wirtschaftliche Wachstumsrate zeugt von einer positiven ökonomischen Entwicklung.

    Deutschland geht es gut. Für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung ist diese Feststellung jedoch aufgrund ihrer Situation eher ein Hohn. Dazu zählen Menschen, die aus dem prekären Beschäftigungsmarkt und der Erwerbslosigkeit nicht herauskommen. Sie partizipieren nicht mehr am volkswirtschaftlichen Fortschritt, fühlen sich ausgegrenzt und gehen oftmals auf Distanz zu jenen, die sie für ihre frustrierende, wirtschaftlich prekäre und in der Konsequenz auch als Ausgrenzung erlebte Situation mitverantwortlich machen.

    Das Kolpingwerk Deutschland erwartet von der neuen Bundesregierung, dass sie diesen Menschen besondere Aufmerksamkeit schenkt. Politischen Entscheidungen müssen auf ihre Wirkungen auf die Angehörigen im unteren wirtschaftlichen und sozialkulturellen Segment hin überprüft werden.

    Insbesondere Langzeitarbeitslosen müssen neben den bisherigen Angeboten zur Ausbildung und Qualifizierung weitere Beschäftigungsmöglichkeiten durch die zusätzliche Schaffung öffentlich geförderter Beschäftigung angeboten werden. Träger von Maßnahmen der beruflichen Integration müssen weiterhin mit entsprechend notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet und bürokratische Hürden abgebaut werden. Die Bundesagentur für Arbeit ist an diesem Ziel auszurichten.

    Menschen, die sich abgehängt fühlen und nicht mehr an soziokulturellen Gemeinschaften teilnehmen können, werden sich auf Dauer von unserem gesellschaftlichen System distanzieren. Dieses muss eine sich dem Gemeinwohl verpflichtende Bundesregierung verhindern. Nicht zuletzt auch deshalb, da über kurz oder lang diese Menschen über den Erfolg oder Misserfolg unserer Demokratie mitentscheiden.

    2. Familiennachzug

    Deutschland geht es gut. Das trifft aber nicht auf alle Menschen zu. Viele derjenigen, die – verfolgt und bedroht durch Krieg und Gewalt – nach Deutschland geflohen sind, sind mit ihren Gedanken bei ihrer Familie, die sie in ihrer Heimat zurücklassen mussten. Sie möchten gemeinsam als Familie in Deutschland leben und sich in die Gesellschaft integrieren.

    Eltern und ihre Kinder gehören zusammen. Eine Aussetzung des Familiennachzugs darf es deshalb nicht geben. Das Kolpingwerk Deutschland fordert daher die neue Bundesregierung auf, den Familiennachzug nicht willkürlich einzuschränken und Eltern und ihren Kindern Schutz zu gewähren. Ein parteipolitisches Taktieren im Ringen um ein für einzelne Parteien positives Ergebnis der Koalitionsverhandlungen darf nicht auf dem Rücken von Familien ausgetragen werden, deren Angehörige in großer Not nach Deutschland geflohen sind.

    In diesem Zusammenhang wird zugleich auf eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus hingewiesen.

    3. Europa

    Deutschland geht es gut. Damit dies so bleibt, brauchen wir ein starkes Europa. Angesichts der aktuellen Herausforderungen und Problemlagen ist der Zusammenhalt Europas in einem noch nie dagewesenen Maß bedroht. Der Prozess der Europäischen Integration kann nur gelingen, wenn Europa nicht nur im Sinne einer Wirtschaftsunion, sondern auch als politische Union zusammenwächst.

    Auf die globalen Herausforderungen unserer Zeit muss Europa mit einer Stimme antworten. Dazu gehören eine verstärkte gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie eine gemeinsam organisierte Entwicklungspolitik, auch um Fluchtursachen einzudämmen und zu bekämpfen. Was die europaweite Verteilung von Geflüchteten betrifft, so fordern wir dazu auf, den Weg, wenn auch zäher Verhandlungen, erneut zu beschreiten. Es muss jede Gelegenheit genutzt werden, um mit den europäischen Partnern eine gemeinsame Linie bei der Unterbringung und Verteilung Geflüchteter zu finden. Denn hier geht es um Menschen!

    Eine politische Union bedarf einer verbindlichen Abstimmung von Fiskal-, Wirtschafts- und Sozialpolitik zwischen den Mitgliedsstaaten. Neben der konsequenten Einhaltung der Stabilitätskriterien kann Europa als Raum der Solidarität nur gelingen, wenn schrittweise an einer Anhebung von Sozialstandards gearbeitet wird. Ziel einer Sozialunion darf kein Sozialdumping sein. Deutschland muss sich dafür einsetzen, dass die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa abnehmen. Nur so wird die europäische Union nicht nur als Wirtschafts-, sondern auch im Sinne einer Werte- und Sozialunion gelingen.

    Die Europäische Kommission darf nicht auf die Rolle als Hüterin der Verträge beschränkt werden, sondern muss, wo Probleme auf europäischer Ebene – unter Beachtung des Subsidiaritätsprinzips – am besten gelöst werden können, Gestalterin politischer Prozesse sein. Wir fordern die künftige Bundesregierung auf, die verschiedenen Reformvorschläge aus der Europäischen Kommission und der französischen Regierung ernsthaft zu prüfen und im aktiven Dialog mit den Mitgliedsstaaten und Institutionen der Europäischen Union den Weg mutiger Reformen zu beschreiten.

    Erklärung des Bundehauptausschusses des Kolpingwerkes Deutschland am 12. November 2017 in Stuttgart

     

     

  • 10 Erwartungen an den neuen Bundestag

    Kolping-Tipps für den Koalitionsvertrag: Der Bundesvorstand hat seine Erwartungen an die neu gewählten Abgeordneten des 19. Deutschen Bundestages formuliert.

    „Der Zusammenhalt der Gesellschaft und die Frage der Generationengerechtigkeit sind für uns von besonderer Bedeutung. Im Zuge des demografischen Wandels wird die Frage einer gerechten Verteilung von Lasten zwischen den Generationen immer wichtiger. Eine stetig wachsende Zahl älterer Bürgerinnen und Bürger steht einer geringer werdenden Zahl jüngerer Menschen im Erwerbsalter gegenüber. Dadurch stellt sich die Frage, wie für die heutigen und zukünftigen Rentnergenerationen ein auskömmlicher Ruhestand gewährleistet werden kann, ohne dass eine Generation ungerecht belastet wird.“
    Darauf weist der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland in seinen „zehn Erwartungen an die Abgeordneten des 19. Deutschen Bundestages“ hin. Hier die wichtigsten Aussagen:
    1. Familie

    • Weiterer Ausbau von Betreuungsplätzen und die Schaffung eines entsprechenden Rechtsanspruchs für Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit;
    • gleichwertige Unterstützung von Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen wollen;
    • Intensivierung der gesellschaftlichen und politischen Diskussion um die Thematik der häuslichen Pflege.


    2. Schutz des Lebens

    • Den Schutz und den Wert des menschlichen Lebens vom ersten bis zum letzten Augenblick nicht in Frage zu stellen;
    • Förderung von Menschen mit Behinderungen insbesondere durch eine ideologiefrei umgesetzte Inklusion, die die spezifischen Bedürfnisse vom Menschen mit Behinderungen in den Mittelpunkt stellt;
    • Ablehnung des „Praena-Tests“ ohne therapeutischen Nutzen als Pflichtleistung in der gesetzlichen Krankenversicherung sowie die Beibehaltung des in Deutschland bewährten Embryonenschutzes.


    3. Bildung

    • Stärkere Betonung der Gleichwertigkeit von dualer Ausbildung und Studium;
    • bundesweite Regelung, die jungen Menschen Freiräume zur Entfaltung eigener Interessen jenseits von Schule, Ausbildung und Studium ermöglicht;
    • eine bundesweite Debatte über die Zukunftsfähigkeit des deutschen Bildungsföderalismus im Hinblick auf Mobilität, Vergleichbarkeit der Abschlüsse und der Finanzierung.


    4. Arbeitswelt und Sozialpartnerschaft

    • Stärkung der gelebten Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern  sowie der Tarifbindung in Deutschland;
    • Erhalt des im Artikel 140 des Grundgesetzes festgelegten Schutz des Sonntages als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung;
    • Bewertung der Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt und Bereitstellung der nötigen Instrumente im Bereich Bildung und Weiterbildung.

     

    5. Gesundheit und Pflege

    • Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung;
    • Integration aller Menschen in die gesetzlichen Krankenkassen und Entgegensteuern einer Zweiklassenmedizin;
    • Sicherung der kostenfreien, gleichwertigen und qualitativen Ausbildung der Pflegeberufe sowie der leistungsgerechten  und tariflichen  Bezahlung aller Pflegekräfte sowie ausreichende, bezahlbare Pflegeplätze.


    6. Alterssicherung und Altersvorsorge

    • Verhinderung von Altersarmut durch eine Sockelrente und generationengerechte Weiterentwickelung des Rentensystems;
    • Erziehungszeiten besser und Pflegezeiten stärker anerkennen;
    • Einbeziehung aller Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung.


    7. Integration von Geflüchteten

    • Nachhaltige und langfristige Maßnahmen zur Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft durch Qualifizierung, Bildung und Wohnen;
    • Schaffung eines Bundesministeriums für Integration und Zuwanderung;
    • Integration als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe in Bund, Ländern und Kommunen.


    8. Fluchtursachen

    • Eine verantwortungsvolle Außenpolitik, die entwicklungspolitisches Engagement als entscheidendes Instrument versteht und so zur Vermeidung und Überwindung internationaler Konflikte und Fluchtursachen beiträgt;
    • Verdoppelung des Etats des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für eine nachhaltige entwicklungspolitische Arbeit;
    • Unterlassung von Waffengeschäften in Krisen- und Kriegsgebieten; darüber hinaus Veröffentlichung aller genehmigten Waffengeschäfte.


    9. Eine Welt/Bewahrung der Schöpfung

    • Einhaltung des Klimaschutzabkommens und Umsetzung der internationalen Klimaschutzvorgaben (Vorbildfunktion);
    • Konsequenter Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger, Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energieträger und Unterstützung von Schwellen- und Entwicklungsländern;
    • Förderung eines nachhaltigen, ressourcenschonenden Konsums, Stärkung des fairen Handels.


    10. Europa

    • Vertiefung des europäischen Integrationsprozesses in Fragen der Sozialpolitik;
    • Schaffung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik;
    • institutionelle Reform der Europäischen Union unter Beachtung des Subsidiaritätsprinzips mit der Perspektive der Schaffung einer „europäischen Regierung“. 
  • Armut trägt zur Spaltung unserer Gesellschaft bei

    Kolpingwerk DV Trier unterstreicht Stellungnahme des Kolpingwerkes Deutschland

    Obwohl es in Deutschland immer mehr arme Menschen gibt, ist Armut nach wie vor ein Tabuthema. Die Betroffenen werden dadurch an den Rand der Gesellschaft gedrängt, was erhebliche Risiken für unser gemeinschaftliches Zusammenleben birgt. Dies betont der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland in einer Erklärung, die das Kolpingwerk Trier unterstreicht.

    „Armut ist ein komplexes Thema. Das macht es in der Berichterstattung oft schwierig.“ so Harald Schmillen, Stellvertretender Diözesanvorsitzender und Beauftragter für berufliche Bildung im Kolpingwerk Diözesanverband Trier. „Letztlich jedoch steckt viel sozialer Sprengstoff darin. Wir sind also als Gesellschaft gut beraten, uns damit auseinander zu setzen.“

    Die Ursachen für Armut seien vielfältig. Armut beginne dort, wo Menschen nicht (mehr) an den allgemeinen gesellschaftlichen Lebensprozessen und kulturellen Alltagserfahrungen teilnehmen können und wenn es Menschen verwehrt bleibt, ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

    Die offensichtlichste Form von Armut sei finanzieller Natur und könne vielfältige Gründe haben: Langzeitarbeitslosigkeit, niedrige Erwerbseinkommen, unterbrochene Erwerbsbiografien oder atypische Beschäftigungsverhältnisse seien nur einige Beispiele. Auch die „vererbte Armut“ sei in diesem Kontext ein wichtiges Thema. So werde sich das Leben von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit unterschiedlichen Ressourcenvermögen trotz vergleichbarer intellektueller Fähigkeit in der Regel entgegengesetzt entwickeln.
    Das bedeute: Wer in eine arme Familie hineingeboren wird, kommt hieraus so schnell nicht mehr heraus und Armut manifestiert sich. Dadurch werde das individuelle Leistungsprinzip als bisheriger kultureller Konsens ad absurdum geführt.
    Es sei sogar so, dass arme Menschen sich aus der Gesellschaft zurückziehen und sich dann mit mangelnder Teilhabe konfrontiert sehen. Das führe zu einer soziokulturellen Spaltung, die sich auch im politischen Sektor nachteilig auswirke. Es liege demnach im Eigeninteresse der Gesellschaft als Ganzes, armen Menschen eine Lobby zu verschaffen. Dies sei vor allem Aufgabe der Sozialverbände. Bildung – verstanden als ganzheitliche Bildung inklusive der Vermittlung persönlichkeitsbildender Kompetenzen – sei hierbei eine wesentliche Voraussetzung für eine Gesellschaft ohne Armut.

  • Aufruf auf Verzicht der Sonntagseinkäufe in der Vorweihnachtszeit

    Der Kolping Diözesanverband Trier ruft dazu auf, auch in der Vorweihnachtszeit auf Sonntagseinkäufe zu verzichten und hierdurch Rücksicht auf die Familien der im Einzelhandel Beschäftigten zu nehmen. Solidarisch mit der "Allianz für den freien Sonntag", einem Bündnis, das sich für sozialverträgliche Arbeitszeiten einsetzt, hat sich der Diözesanvorstand des katholischen Sozialverbandes mit den Auswirkungen des rheinland-pfälzischen Ladenschlussgesetzes und seiner insbesondere für Sonntagsöffnungen zu liberalen Regelungen auseinandergesetzt. Mit den vor allem in der Adventszeit ausufernden Öffnungszeiten würden nicht nur die Einsatzzeiten der vielen jungen Mütter und Väter zu Lasten deren Familien erheblich ausgeweitet. Auch sei dieser Wettkampf um maximale Öffnungszeiten vor allem für Kleinbetriebe ruinös und begünstige große Handelsketten, schlussfolgert der sozialpolitische Sprecher des Kolpingwerks Werner Hammes (Neuwied).

     „Ohnehin nimmt die Zahl der sonntags Arbeitenden seit Jahren kontinuierlich zu.“ stellt Hammes fest. Sei dies jedoch in einigen Berufen unvermeidlich, so werde durch Sonntagsöffnungen ein unnötiger und letztlich kundenunfreundlicher Mitmachzwang auf den gesamten Einzelhandel ausgeübt. Aus zum Teil lächerlichen Anlässen würden in vielen Städten und Kommunen Verkaufsöffnungen an Sonn- und Feiertagen genehmigt und auf diese Weise die gesetzlich erlaubte Höchstzahl ausgeschöpft, und dies trotz der Auswirkungen auf das Familienleben zahlreicher Einzelhandelsbeschäftigter.

    Das Kolpingwerk Diözesanverband Trier fordert daher eine Einschränkung der Ladenöffnungsregelungen insbesondere an Sonn- und Feiertagen. Den grundsätzlich arbeitsfreien Sonntag sieht der Sozialverband als eine kulturelle und sozialpolitische Errungenschaft, die nicht der zunehmenden Kommerzialisierung des Lebens geopfert werden dürfe. Neben der religiösen Bedeutung komme dem Sonntag und den religiös-christlich ausgerichteten Feiertagen auch die soziale Funktion der Taktung des sozialen Lebens zu.

    Text: Andreas Heinrich

  • Lohnniveau auch im Blick auf die Alterssicherung gestalten

    Kolping-Landesverband Rheinland-Pfalz zum Mindestlohn
    Mainz / Trier– „Adolph Kolping würde heute für den Mindestlohn und die Mütterrente kämp-fen“, zitierte Matthias Donauer den Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick. Donauer sprach vor dem Arbeitskreis Landespolitik des Kolping-Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 sei eine vom Kolpingwerk lange geforderte Maßnahme zur Lohngerechtigkeit durch den Gesetzgeber realisiert worden, so Donauer weiter. Nach der „Starthöhe“ von 8,50 € pro Stunde werde der Mindestlohn ab 1. Januar 2017 auf 8,84 € pro Stunde ansteigen. Kolping begrüße ausdrücklich diese Entwick-lung. Die Erhöhung um 34 Cent könne und dürfe aber nur der erste Schritt zu einem aus-kömmlichen Lohnniveau für die Menschen sein, die in den Mindestlohn-Branchen arbeiten.
    Der AK Landespolitik, dem drei Vertreter des Kolpingwerkes im Bistum Trier angehören, sprach sich für weitere Steigerungen beim Mindestlohn aus, wenn künftige Altersarmut ver-hindert werden soll. Schon heute seien immer mehr Menschen auf die Unterstützung durch Grundsicherung im Alter angewiesen, weil ihre Rente noch unter dem Grundsicherungssatz liegt. „Der Gesetzgeber ist gefordert bei künftigen Rentenreformen besonders die Auswir-kungen des Mindestlohns auf die Renten zu berücksichtigen

  • Tarifflucht stoppen - Sozialpartnerschaft stärken

    Das Kolpingwerk Diözesanverband Trier sieht sich als Arbeitnehmerorganisation mit  berufs- und sozialpolitischer Verpflichtung. Die jährliche Herbsttagung der Vorsitzenden der Kolpingsfamilien im Bistum Trier hat vor diesem Hintergrund die Herstellung gleicher Beschäftigungs- und Einkommensbedingungen  in Deutschland gefordert.

    Wesentliche Missstände bei der Einkommensentwicklung beklagen die Kolpingvertreter vor allem bei der ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern sowie von Jung und Alt. So verdienten in manchen Branchen Frauen noch im vergangenen Jahr bis zu 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Häufig spiele bei dieser Differenz die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle sowie die Tatsache, dass Führungspositionen oftmals als Vollzeitarbeitsplätze strukturiert sind. Junge Menschen unter 35 Jahren seien mehr als dreimal häufiger beschäftigt als ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, und sie sind wesentlich häufiger von Leiharbeit und atypischer Beschäftigung betroffen. Fast ein Drittel der unter 25 jährigen Beschäftigten verfügten über ein monatliches Bruttoeinkommen von weniger als 1.500 Euro. In diesem Zusammenhang prangert das Kolpingwerk auch die ungleiche Bezahlung bei Leiharbeit und Werkverträgen an, die unter dem Vorwand wirtschaftlich erforderlicher Flexibilität nicht selten Einfallstor für Dumpinglöhne und schlechtere Arbeitsbedingungen seien.

    Als wesentliches Instrument bei der Bekämpfung dieser Fehlentwicklungen sieht das Kolpingwerk die Stärkung der tariflichen Sozialpartnerschaft und wirksame gesetzliche Maßnahmen gegen die verbreitete Flucht aus tariflichen Strukturen. „Tarifflucht höhlt soziale Markwirtschaft aus“ so die einmütige Auffassung der Kolpinger. Hierfür sprächen klare Fakten: Liegt z. B. das durchschnittliche Bruttogehalt eines Kfz-Mechatronikers in Deutschland aktuell bei rund 2.524 Euro, so werden in tarifgebundenen Betrieben im Schnitt 2.860 Euro und damit rund 13 % mehr gezahlt.

    Die Abnahme der tariflichen Bindung führt nicht nur zu einer schwächeren Durchsetzungskraft von Arbeitnehmerinteressen in den einzelnen Betrieben, sondern auch bei Flächentarifen und Allgemeinverbindlich-Erklärungen. Perspektivisch verstärkt diese wirtschaftspolitische Fehlentwicklung sowohl den Fachkräftemangel als auch die Altersarmut.

    Die Vorsitzendentagung des Kolpingwerks im Bistum Trier fordert daher

    1.  die Tarifpartner auf, für alle Beschäftigten bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit, den Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit anzuwenden.

    2.  die Politik auf, sich für die Forderung von verpflichtenden Branchenlöhnen einzusetzen.

    3.  die Politik auf, das Instrument der Allgemeinverbindlich-Erklärung von Tarifverträgen zu stärken.

  • Mutterschutz bewahren

    Das Mutterschutzgesetz sorgt in Deutschland dafür, dass sechs Wochen vor dem berechneten Entbindungstermin und acht Wochen nach der Geburt Mutter und Kind keinen gesundheitlichen Gefahren durch die mütterliche Berufstätigkeit ausgesetzt sind. „Das Gesetz von 1952 zu modernisieren und zu prüfen, welche Veränderungen in der Arbeitswelt neue Schutzmaßnahmen erforderlich machen, ist sinnvoll. Das darf aber im Ergebnis nicht dazu führen, den Mutterschutz aufzuweichen“, fordert Klaudia Rudersdorf, die Vorsitzende des Bundesfachausschusses Ehe, Familie, Lebenswege des Kolpingwerkes Deutschland. Anlässlich der ersten Beratung des Gesetzentwurfs zur Änderung des Mutterschutzrechts im Bundestag betont sie: „Familienpolitik muss das Wohl von Mutter und Kind im Fokus haben. Stattdessen folgt sie zunehmend dem Diktat der Wirtschaft, die Mütter bis kurz vor und früh nach der Geburt am Arbeitsplatz sehen will. Familien werden im Hinblick auf Erwerbstätigkeit unter Druck gesetzt.“


    Wochenend- und Nachtarbeit sind zum Beispiel bisher im Mutterschutz tabu. Nach dem vorliegenden Gesetzentwurf soll das künftig anders sein – wenn die (werdenden) Mütter einverstanden sind. Der generelle Mutterschutz bewahrt Mütter und ihre Kinder vor der möglichen Entscheidung, die Angst um den Arbeitsplatz vor das körperliche Wohl zu stellen. „Ein aufgeweichter Mutterschutz würde Einzelfallregelungen von Frauen und Müttern mit ihren Arbeitgebern Tür und Tor öffnen“, kritisiert Rudersdorf. „Wir entfernen uns so von einer echten Wahlfreiheit, bei der nicht die Erwerbstätigkeit, sondern das Wohl des Kindes und die Gesundheit der Mutter im Mittelpunkt stehen.“

  • Erklärung des Kolpingwerkes Deutschland zur Integration von Geflüchteten

    Integration als gesellschaftliche Herausforderung begreifen.

    Viele Mitglieder des Kolpingwerkes Deutschland engagieren sich in der Arbeit für Geflüchtete und mit Geflüchteten. Mittlerweile liegen erste wichtige Erfahrungen aus der aktiven Integrationsarbeit des Verbandes sowie der verbandlichen Einrichtungen und Unternehmen vor. Das Kolpingwerk Deutschland will sich an der notwendigen politischen Debatte beteiligen und seine Erfahrungen in die Fachdebatten einbringen.

    Die gesamte Erklärung zum Download als PDF hier und zum Nachlesen online unter http://www.kolping.de/presse-medien/presse/pressemitteilungen/.

  • Kolpingwerk Deutschland zur Niedrigzinspolitik

    Solidarische, umlagefinanzierte soziale Sicherungssysteme sind in Zeiten niedriger Zinsen krisenfester als andere Systeme. Darauf weist der Kolping-Bundesvorstand hin:
    Als Reaktion auf den konjunkturellen Einbruch der europäischen Volkswirtschaften infolge der globalen Finanzkrise begann die Europäische Zentralbank eine schrittweise Senkung der Leitzinsen mit dem Ziel, Investitionen und privaten Konsum zu stimulieren. Während die aktuell sehr niedrigen Leitzinsen weiterhin dem Ziel dienen sollen, in Euro-Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit und schwacher Konjunktur Investitionen und Konsum zu befördern, ergeben sich  negative Effekte für die Sparerinnen und Sparer. Dies führt mitunter zu erheblichen Folgen für die verschiedenen Formen der privaten Absicherung und Vorsorge. Darauf weist der Bundesvorstand in einer Erklärung hin.

    Die Niedrigzinspolitik der Währungsunion macht in erster Linie deutlich, dass kapitalgedeckte Vorsorgemodelle anfällig sind. Die Entwicklungen um die Riesterrente und andere Produkte zur Alterssicherung, aber auch um die privaten Krankenversicherungen veranschaulichen, dass der Kapitalmarkt keine sichere Bank ist. Die Auswirkungen der Nullzinspolitik bestätigen, dass die Umlagefinanzierung in den Sozialversicherungen anderen Finanzierungsformen überlegen ist. Die Riester-Politik, die stellvertretend für die Individualisierung von Risiken steht, ist gescheitert! Was ursprünglich als die große Antwort auf den demografischen Wandel und als Beitrag zur Eigenverantwortung gefeiert wurde, entwickelt sich zu einem Seiltanz, der von den Kapitalmärken abhängig ist. Diese Art der Individualisierung von Lebensrisiken widerspricht den Prinzipien der Solidarität und des Gemeinwohls und damit der katholischen Soziallehre bzw. der christlichen Sozialethik, betont der Kolping-Bundesvorstand.

    Darüber hinaus stellt sich bei der derzeitigen Ausgestaltung der Sozialsysteme die Frage, ob die Risiken zwischen den gesellschaftlichen Gruppen gleich verteilt sind. Insbesondere die staatlich geförderte Altersvorsorge entwickelt sich zu einem Luxus, an dem Personen mit niedrigem Erwerbseinkommen kaum partizipieren können. Das Kolpingwerk Deutschland bringt in diesem Zusammenhang das Rentenmodell der katholischen Verbände in Erinnerung und fordert eine politische und gesellschaftliche Debatte über die Frage, wie die Stabilität und Gerechtigkeit der sozialen Sicherungssysteme künftig wieder gewährleistet werden kann. Der volle Wortlaut der Erklärung steht auf der Homepage kolping.de zur Verfügung.

    Ansprechpartner im Bundessekretariat: Ulrich Vollmer, Bundessekretär
    E-Mail: bundessekretaer[at]kolping.de

  • Bundesvorstand zum nachsynodalen Schreiben von Papst Franziskus

    Erklärung des Bundesvorstand zum nachsynodalen Schreiben von Papst Franziskus „Amoris laetitia – Über die Liebe in der Familie“

    Der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland begrüßt das Schreiben „Amoris laetitia – Über die Liebe in der Familie“ von Papst Franziskus als wichtiges Signal für eine Stärkung von Ehe und Familie sowie als Ermutigung an die Ortskirchen, geeignete Wege für eine Pastoral der Barmherzigkeit zu finden.

    Die inhaltlichen Positionen, die der Papst aufgreife, sowie die Sprache machen deutlich, wie nahe er an der Lebenswirklichkeit der Menschen sei, erklärte der Bundesvorstand des Kolpingwerkes am 9. April. In dem nachsynodalen Schreiben greife der Papst die Ergebnisse der Bischofssynoden 2014 und 2015 zum Thema Ehe und Familie auf und äußere sich verbindlich zu den entsprechenden Fragen.

    „Der Tenor dieses Schreibens ist: Niemand darf ausgeschlossen werden von der Barmherzigkeit Gottes. Ermutigt wird dazu, mit einem differenzierten Blick die Lebenssituationen der Menschen wahrzunehmen und Gewissensentscheidung mit Respekt zu begegnen“, bekräftigt der Bundesvorstand.

    Papst Franziskus hatte in seiner Abschlussrede der Synode 2015 festgestellt, dass jedes allgemeine Prinzip in die jeweilige Kultur übertragen werden muss, wenn es eingehalten und angewendet werden soll. „Dies wird in dem jetzigen Schreiben bekräftigt. Darin ist ein klarer Auftrag an die Ortskirchen zu sehen, eigenständig und mutig und im Einklang mit den Gläubigen nach Wegen zu suchen, wie Sexualität, Partnerschaft, Ehe und Familie in Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche und im jeweiligen kulturellen Umfeld gelebt werden können“, stellt der Bundesvorstand fest.

    Das neu gewachsene Selbstverständnis der synodalen Verfasstheit der katholischen Kirche sei ein weiteres wichtiges Ergebnis für eine den Menschen zugewandte Zukunft der Kirche in der Welt. Das Kolpingwerk Deutschland werde auch weiterhin den Weg der Ortskirchen – auf die Menschen hörend, sich ihren Hoffnungen und Ängsten annehmend – tatkräftig unterstützen und „damit Mut machen, Ehe und Familie in der heutigen Welt zu leben“.

    Das nachsynodale Schreiben des Papstes ist abrufbar unter:
    http://w2.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa- francesco_esortazione-ap_20160319_amoris-laetitia.html

  • ACA fordert die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung

    Mainz. Die Landesdelegiertenversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmer (ACA) Rheinland-Pfalz, getragen von den christlichen Sozialverbänden Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Kolping fordert den Gesetzgeber auf noch in dieser Legislaturperiode zur vollen Parität der Beitragsfinanzierung in der Gesetzlichen Krankenversicherung zurückzukehren.

    Der zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragene Beitrag zur Krankenversicherung gehöre zu den Grundprinzipien der Sozialversicherung, erklärte Martin Plail, der Landesvorsitzende der ACA. Dies entspräche dem Solidargedanken in der Gesundheitsfürsorge, da beide Seiten davon in gleichem Maße profitieren.

    Die Delegierten kritisieren, dass seit dem 1. Jan. 2015 die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen einen möglichen, von den jeweiligen Krankenkassen festgesetzten Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,1%, teilweise auch höher, alleine tragen sollen. Deshalb appellieren die Vertreter aus den Sozialverbänden, an die Regierungsparteien Union und SPD den Mut zu haben, den ab Juli 2005 für die Arbeitgeber eingefrorenen Krankenkassenbeitrag, rückgängig zu machen.

    Die ACA-Vertreter befürchten mittelfristig eine Kostensteigerung für die Umsetzung bereits beschlossener Gesetze und damit, wenn sich nichts ändert, einen Anstieg der Krankenkassenbeiträge der ArbeitnehmerInnen und RentnerInnen auf rund zwei vom Hundert des Bruttolohns. Es sei mit den Grundprinzipien der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht vereinbar, dass ArbeitnehmerInnen und RentnerInnen Innovationen und Reformen im Gesundheitswesen alleine finanzieren.

    Die ACA in Rheinland-Pfalz, vertritt die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf der Basis der christlichen Sozialethik. Weitere Informationen zur ACA sind im Internet unter  www.aca-rheinland-pfalz.de zu finden.

  • "Mitmachen schafft Einfluss" - "Gut, wenn Sie Hilf......

    Im Vorfeld der Sozialwahl 2017 trafen sich am 20. und am 27. Februar Kolping-Mandatsträger aus den verschiedenen Bereichen der sozialen Mitwirkung und Interessierte in Saarbrücken und Koblenz.

    Die Referentin zum Thema „Selbstverwaltung und ihr Wert“, Martina Stabel-Franz war lange Referatsleiterin für Gesetzliche Renten- und Unfallversicherung /Ergänzende Altersvorsorge im Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz des Saarlandes und selbst tätig in der Selbstverwaltung.

    Sie bedauerte in ihrem Vortrag, dass der Sozialwahl nicht die Bedeutung zukommt, die sie eigentlich verdient. Immerhin ist die Sozialwahl mit rund 46 Millionen Wahlberechtigten die drittgrößte Wahl in Deutschland, gleich nach der Europa- und der Bundestagswahl. Selbstverständlich würden Sozialleistungen in Anspruch genommen, aber es sei auch wichtig, die Rahmenbedingungen mitzugestalten, sagte Kolpingmitglied Stabel-Franz. Sie vertritt die Überzeugung, dass in den Selbstverwaltungsorganen der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen, der Kammern für die Menschen vor Ort etwas mitgestaltet werden kann. „Selbstverwaltung ist um ihrer selbst willen ein Gewinn, weil sie dem einzelnen Menschen hilft. Sie bietet Ansprechpartner und ermöglicht den Sozialversicherungen und anderen Organisationen eine Nähe zur Lebenswelt der Betroffenen.“

    Stabel-Franz betonte auch, dass die ehrenamtlichen Mandatsträger für ihre Mitwirkung kontinuierlich Schulungen und Informationen benötigen. Auch verschiedene Gesetzesänderungen wären nötig, die leider in dieser Legislaturperiode seitens der Bundesregierung nicht umgesetzt wurden Das helfe aber alles nichts, wenn der Wert der Selbstverwaltung nicht bekannter gemacht werde.

    Das betonten auch alle Anwesenden im Gespräch immer wieder. Es sei wichtig, dass alle, die in der Selbstverwaltung tätig sind darüber berichten, was sie tun und was man bewirken kann. Außerdem müsste die Bevölkerung erst mal wissen, was denn Selbstverwaltung überhaupt sei.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt des Austauschs war der Hinweis, dass die ehrenamtlichen Mandatsträger selbst persönlich außerordentlich von ihrer Tätigkeit profitieren können. Das gute Gefühl, eine sinnhafte Tätigkeit auszuüben, mit der man etwas für die Gemeinschaft tut wird ergänzt durch die Möglichkeit, persönlich zu wachsen und sich weiter zu entwickeln. 

    An Hauptreferat und Gespräch schlossen sich Kurzreferate an, die das Feld weiteten, indem sie einen Blick auf Hintergründe, Grundlagen und praktische Beispiele lenkten.

    Präses Thomas Gerber zeigte die Motivation und innere Verpflichtung als Christ in der Welt tätig zu werden anhand einiger Zitate aus dem Leitbild des Kolpingwerkes, verschiedener Aussagen der Bibel und der Soziallehre.

    Jacqueline Röhm berichtete aus dem Kolpinghaus Koblenz, Hans-Heinrich Steigerwald und Manfred Kuhn vom Arbeitsbegriff des Kolpingwerkes.

    Die ehemalige Vorsitzende der ACA Rheinland-Pfalz, Silvia Berger und der aktuelle Vorsitzende Martin Plail informierten über die Arbeit der „Arbeitsgemeinschaft christlicher Arbeitnehmerorganisationen“ (ACA), die sich zusammensetzt aus dem Kolpingwerk, der KAB und evangelischen Arbeitnehmerorganisationen.

    Abschließend fassten Harald Schmillen und Joachim Plitzko viele der schon vorher gefallenen Aspekte zusammen unter der Überschrift „Christlich und Engagiert? Warum sich als Kolpingwerk mit der Politik beschäftigen?“ 

    Die Vielfältigkeit, Bedeutung und den Tiefgang der Veranstaltung brachte in der Abschlussrunde eine Teilnehmerin so auf den Punkt: „Ich bin total bereichert. Es ist so viel Energie, Erfahrung, Leidenschaft da. Die Zeit war gut investiert.“

     

    Vorbereitet wurden die Treffen durch den Fachausschuss „Gesellschaft gestalten“ des Kolpingwerkes im Bistum Trier. Die Kurzreferate wurden ebenfalls von Mitgliedern dieses Fachausschusses gehalten, von denen viele (sozial-)politisch engagiert und in der Selbstverwaltung tätig sind.

     

  • Politisches Gespräch mit den Parteien

    Es geht um menschenwürdige Lebensverhältnisse im demokratischen Staat!

    Mainz / Trier. – „Die Sicherung eines menschenwürdigen Lebens gründet auf Partizipation, Solidarität und soziale Gerechtigkeit!“, sagte Diakon Andreas W. Stellmann, Landesvorsitzender des Kolpingwerkes Rheinland-Pfalz, zur Eröffnung des „Politischen Gesprächs“ in Mainz mit Vertreterinnen und Vertretern der im Landtag vertretenen Parteien und dem Landesvorstand des katholischen Sozialverbandes. Stellmann betonte mit seiner These eine wesentliche Gemeinsamkeit zwischen den demokratischen Parteien und dem Kolpingwerk, das zum Dialog eingeladen hatte.

    Der Einladung waren die sozial- bzw. kirchenpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen von SPD, Barbara Schleicher-Rothmund MdL (Germersheim), den Grünen, Dr. Fred Konrad MdL (Zweibrücken), und CDU, Hedi Thelen MdL (Andernach), gefolgt. Matthias Donauer, Vorsitzender des Arbeitskreises Landespolitik im Kolping-Landesverband Rheinland-Pfalz, moderierte den Gedankenaustausch. Gesprächsgrundlage war das Positionspapier des Kolpingwerkes zur Landtagswahl am 13. März, das allen Kolpingsfamilien für einen Dialog mit den jeweiligen Wahlkreiskandidatinnen und –kandidaten zugestellt wurde. Anhand von sechs Themenfeldern hat darin der katholische Sozialverband dargelegt, was er aktuell und künftig von der Landespolitik erwartet:

    • Förderung von Familie, Vereinbarkeit von Familie und Beruf
    • Sonn- und Feiertagsschutz
    • Verbesserte Versorgung Pflegebedürftiger
    • Gestaltung der demographischen Veränderungen, politische Strategien gegen drohende Altersarmut
    • Menschenwürdige Flüchtlingspolitik, Entwicklung und Förderung von Integrationsmaßnahmen
    • eine die Gesamtpersönlichkeit formende Bildungspolitik, ein am Kindeswohl ausgerichtetes Ganztagsschulkonzept

    Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Familienpolitik, die Flüchtlingskrise und ihre Bewältigung sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die engagiert geführte Aussprache erbrachte viele Gemeinsamkeiten. Stellmann verwies dabei u.a. auf das Engagement der Kolpingsfamilien in der Flüchtlingshilfe. Unterschiede zwischen den Parteien wurden deutlich u.a. bei der Einschätzung des Betreuungsgeldes bzw. zur Einführung eines Landesfamiliengeldes oder bei der Frage nach einem Einwanderungsgesetz. In der Pflegepolitik war man sich einig, dass verstärkte Anstrengungen erfolgen müssten, um die bestehenden oder absehbaren Probleme zu lösen. Allen Gesprächsteilnehmern war die Sorge um menschenwürdige Lebensverhältnisse in unserem Land zentrales Anliegen. Landesvorsitzender Stellmann dankte abschließend den Politikern für ihre Dialogbereitschaft. Der seit einigen Jahren bestehende Gesprächskontakt soll auch künftig weitergeführt werden.

    Das Positionspapier zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz am 13. März 2016 kann über das Kolping-Diözesansekretariat in Trier (Tel.: 0651 9941042) angefordert werden und ist über die Homepage des Kolpingwerkes Landesverband Rheinland-Pfalz als pdf im Download erhältlich.

    Das Kolpingwerk zählt in Rheinland-Pfalz und Saarland über 13.000 Mitglieder in 160 örtlichen Gemeinschaften, den Kolpingsfamilien. Weltweit engagieren sich im Kolpingwerk 450.000 Mitglieder in über 60 Ländern auf allen Kontinenten. Sein Wahlspruch lautet: „Verantwortlich leben – Solidarisch handeln.“

     

     

  • Weltklimakonferenz

    Diözesanverband Trier unterstützt Stellungnahme des Kolpingwerkes Deutschland

    Der Bundesvorstand des Kolpingwerkes Deutschland zieht mit Blick auf die vorliegenden Ergebnisse der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Paris eine verhalten optimistische Bilanz. Am Ende der Verhandlungen wurde eine Grundlage geschaffen, die hoffen lässt, dass die Industrie- und Schwellenländer als die maßgeblichen Verursacher des Klimawandels ihren Zusagen nachkommen, insbesondere die Erderwärmung durch geeignete Maßnahmen einzudämmen. Es darf nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben!

    Den Verpflichtungen müssen nun Taten folgen!
    Das Kolpingwerk fordert von allen Staaten die Einhaltung und Umsetzung der internationalen Klimaschutzvorgaben. Gleichwohl sieht das Kolpingwerk die Industrieländer in einer besonderen Verantwortung, sowohl bei der Umsetzung der Klimaschutzvorgaben in ihren eigenen Volkswirtschaften als auch bei der Unterstützung der Schwellen- und Entwicklungsländer.

    Konsequente Nutzung erneuerbarer Energien!
    Die Eindämmung des Klimawandels kann nur durch den konsequenten Abbau fossiler und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energieträger gelingen. Der Übergang von der Nutzung umweltschädlicher zu sauberen Energiequellen muss in Europa konsequent umgesetzt sowie in den Schwellen- und Entwicklungsländern entschieden unterstützt werden. Dies sollte nicht nur durch finanzielle Mittel, sondern in ausreichendem Maße auch durch technische Transfers ermöglicht werden. Im Hinblick auf die Verzahnung von Klimaschutz- und Entwicklungspolitik sieht das Kolpingwerk noch deutlichen Handlungsbedarf. Die in Paris getroffenen Weichenstellungen sind bei weitem nicht ausreichend.

    Auch Europa ist in der Pflicht!
    Die Europäische Kommission muss als Verhandlungspartnerin im Namen aller EU-Staaten bei der Umsetzung klimaverträglicher Ziele auch in Zukunft eine entscheidende Rolle einnehmen.
    Wenn Europa nicht vorlebt, dass der Klimaschutz nur gemeinsam gelingt, dann kann es nicht glaubhaft von anderen Staaten ein Streben nach zwischenstaatlichen Lösungen einfordern.

    Paris ist nur ein Zwischenschritt!
    Das nun geschlossene Abkommen kann nur einen Zwischenschritt auf dem Weg zur Rettung des Planeten darstellen. Die 195 Staaten, die sich zur Umsetzung der Klimaschutzziele verpflichtet haben, werden die entsprechenden Ziele und Instrumente zur Einhaltung des Klimaschutzes in den kommenden Jahrzehnten regelmäßig überprüfen und den veränderten Bedingungen anpassen müssen.

    Die Rettung des Klimas braucht auch eine engagierte Zivilgesellschaft!
    Nachhaltiges Handeln im Sinne des Klimaschutzes muss nicht zuletzt bei jedem Einzelnen beginnen. Die in den westlichen Industriegesellschaften vorherrschende Konsumorientierung hat mit wachsendem Wohlstand zu einer Ressourcenverschwendung ungeahnten Ausmaßes geführt. Ein hoher Energieverbrauch und eine weit verbreitete Wegwerfkultur in den reichsten Ländern führen dazu, die Erde in eine „unermessliche Mülldeponie“ zu verwandeln, wie es Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika „Laudato Si“ ausdrückt. Das Kolpingwerk lobt die vielfältigen Initiativen, die das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum und fairen Handel stärken.

     

  • Jungen Flüchtlingen eine Ausbildung ermöglichen!

    Kolpingwerk Deutschland: Volljährigkeit darf Jugendhilfe nicht beenden

    Der Ausbildungsmarkt bietet hinreichend freie Stellen. Somit sind theoretisch die Chancen gut, junge Flüchtlinge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Kolpingwerk Deutschland weist allerdings auf erhebliche Stolpersteine hin, die es dazu in der Praxis gibt. "Das Erreichen der Volljährigkeit darf nicht dazu führen, dass Fluchtwaisen, also unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, aus dem Fördersystem der Jugendhilfe herausfallen. Bis zum Abschluss der Schul- und Berufsausbildung muss dieses Fördersystem weiterhin bedarfsweise zur Verfügung stehen", erklärt Ulrich Vollmer, Bundessekretär des Kolpingwerkes Deutschland. Viele Jugendämter seien bereits problembewusst, allerdings bereiten die rechtlichen Unschärfen Anwendungsprobleme. 

    Der Übergang von Schule und Beruf gilt auch für deutsche Jugendliche als große Herausforderung. Für junge Flüchtlinge ist deren Bewältigung ungleich schwerer. Betreuer weisen darauf hin, dass die fehlende Zukunftsperspektive bei den meisten jungen Flüchtlingen, die traumatische Lebenserfahrungen verarbeiten müssen, einer Rückkehr in die Normalität am stärksten entgegensteht. Die Aussicht, eine Berufsausbildung ergreifen und abschließen zu können, bietet jungen Menschen die nötige Perspektive, betont das Kolpingwerk. 

    Das Kolpingwerk Deutschland verstärkt gegenwärtig seine Bemühungen in der Hilfe für Flüchtlinge. So wird gegenwärtig ein "Kolping-Netzwerk Junge Flüchtlinge" geknüpft. Es verbessert die Zusammenarbeit zwischen dem Kolping Jugendwohnen, das unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut, den Kolping-Bildungsunternehmen, die jährlich 19.000 junge Menschen in 150 Einrichtungen im Bereich der Berufsvorbereitung und -ausbildung fördern, und den mehr als 25.000 Ehrenamtlichen in 2.500 Kolpingsfamilien vor Ort, die sich vielfach in der Flüchtlingshilfe engagieren. Dazu wird auf Bundesebene das Personal verstärkt, eine Sonderausgabe der Zeitschrift für Leitungskräfte erscheint noch im Dezember. 

  • TTIP

    Das geplante Freihandels-Abkommen TTIP zwischen der EU und den USA dient den Interessen der Konzerne und nicht uns Bürger/innen:

    • TTIP höhlt Demokratie und Rechtsstaat aus: Ausländische Konzerne können Staaten künftig vor nicht öffentlich tagenden Schiedsgerichten auf hohe Schadenersatzzahlungen verklagen, wenn sie Gesetze verabschieden, die ihre Gewinne schmälern.
    • TTIP öffnet Privatisierungen Tür und Tor: Das Abkommen soll es Konzernen erleichtern, auf Kosten der Allgemeinheit Profite bei Wasserversorgung, Gesundheit und Bildung zu machen.
    • TTIP gefährdet unsere Gesundheit: Was in den USA erlaubt ist, würde auch in der EU legal – so wäre der Weg frei für Fracking, Gen-Essen und Hormonfleisch. Die bäuerliche Landwirtschaft wird geschwächt und die Agrarindustrie erhält noch mehr Macht.
    • TTIP untergräbt die Freiheit: Es droht noch umfassendere Überwachung und Gängelung von Internetnutzern. Exzessive Urheberrechte erschweren den Zugang zu Kultur, Bildung und Wissenschaft.
    • TTIP ist praktisch unumkehrbar: Einmal beschlossen, sind die Verträge für gewählte Politiker nicht mehr zu ändern. Denn bei jeder Änderung müssen alle Vertragspartner zustimmen. Deutschland allein könnte aus dem Vertrag auch nicht aussteigen, da die EU den Vertrag abschließt.
    • CETA ist ein internationales Freihandels-Abkommen, das die Grundlagen für TTIP legt.


    TTIP und CETA verhindern kritische Punkte wie Investor-Staat-Schiedsverfahren und Regelungen zur regulatorischen Kooperation, die Demokratie und Rechtsstaat aushöhlen. Die Unterstützer wollen verhindern, dass in intransparenten Verhandlungen Arbeits-, Sozial-, Umwelt-, Datenschutz- und Verbraucherschutzstandards gesenkt sowie öffentliche Dienstleistungen (z. B. Wasserversorgung) und Kulturgüter dereguliert werden. Sie unterstützen eine alternative Handels- und Investitionspolitik der EU.

    Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Vorsitzendentagung des Kolpingwerkes DV Trier schließen sich einstimmig der Forderung an, TTIP und CETA zu stoppen.

    Hierbei werden wichtige soziale Errungenschaften wie Arbeitnehmerrechte, demokratische Verfahren und nationale Regelungen ausgehebelt und durch rein profitorientierte und intransparente Regelungen zugunsten trans- und multinationaler Konzerne ersetzt. Die EU würde damit hinter ihre eigenen Rechtsstandards zurück treten und die parlamentarische Demokratie wird ausgehebelt.Die Verantwortlichen des Kolpingwerkes DV Trier auf Ebene des Bistums, der Gebiete, Bezirke und Kolpingsfamilien setzen sich für Transparenz und soziale Regulierung ein. In der sozialen Frage haben sich Kirchen und kirchliche Vereine und Verbände im Sinne von Benachteiligten und Ausgegrenzten eingesetzt: Dies ist auch auf der Ebene nationaler und internationaler politischer Fragen im Bereich der Wirtschaft wichtig.Sie setzen sich für soziale Standards in Wirtschaft und Arbeitswelt und die Unteilbarkeit der Gerichtsbarkeit ein. Sie wollen sich nicht dem Diktat der Wirtschaft und ihren liberalen Vorstellungen beugen, die alles ihren Vorstellungen und Interessen angepasst haben wollen.

  • "Zeig der Welt ein menschliches Gesicht"

    Das Kolpingwerk in der Diözese Trier spricht sich für eine uneingeschränkte Aufnahme von verfolgten und bedrohten Menschen aus den Krisenregionen der Welt aus. Asylrecht ist nicht teilbar und entspricht der christlichen Überzeugung von Nächstenliebe und gegenseitiger Verantwortung. Dies unterstreicht die Vorsitzendentagung des Kolping-Diözesanverbandes Trier im Rahmen ihres diesjährigen Treffens mit einem einstimmigen Votum.

    Hilfe suchenden und ihrem Schicksal überlassenen Menschen Fürsorge und Aufnahme zukommen zu lassen liegt in der ureigenen Tradition des Kolpingwerks und drückt sich in zahlreichen, von Kolpingsfamilien initiierten oder mitgetragenen Aktivitäten im gesamten Bistum aus. In diesem Zusammenhang begrüßt die Vorsitzendentagung die Einrichtung eines Willkommensnetzwerkes durch den Bischof sowie die zahlreichen regionalen Netzwerke zur Stärkung und Koordination der ehrenamtlichen Arbeit.

    Zugleich ruft die Vorsitzendentagung alle Kolpingsfamilien auf, sich kreativ und im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach Kräften an dieser Arbeit zu beteiligen – getreu dem Motto Adolph Kolpings: „Die Nöte der Zeit werden Euch lehren, was zu tun ist.“ Vorstand und Präsidium des Diözesanverbandes Trier haben hierzu ihre Unterstützung zugesagt und werden ausgewählte Projekte finanziell unterstützen.

     

  • Sterbebegleitung von Angehörigen

    Erstellt vom Diözesanfachausschuss „Gesellschaft gestalten“

    Die im vorliegenden Positionspapier enthaltenen Anregungen sollen bestenfalls zu einer Anpassung der derzeitigen Situation, und damit einem verbesserten Zugang zur Ermöglichung der Sterbebegleitung von Angehörigen für Arbeitnehmer, führen. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten soll die Möglichkeit eingeräumt werden, ihre direkten Angehörigen bei schwerer Krankheit oder  im Alter während des letzten Lebensabschnittes zu begleiten.  Diese Möglichkeit  soll als Wahlleistung des Arbeitnehmers ausgestaltet  sein und es sollen sich aus der Wahl keine Nachteile am Arbeitsplatz oder in der Existenzsicherung ergeben.

    Dieses Papier formuliert somit einen weitreichenden Ansatz der für den betreffenden Arbeitnehmer eine z.B. temporäre Ruhendstellung des aktiven Arbeitsverhältnisses bedeutet und gleichzeitig für den Arbeitgeber eine Belastung darstellt. Ein Ausgleich kann dementsprechend über eine gesetzliche Sozialversicherung erfolgen. Dieses Papier soll somit eine politische Diskussion zu dem Thema anregen aber auch alle Mitglieder des Kolpingwerkes dazu ermuntern, sich mit diesem zutiefst menschlichen Thema zu beschäftigen und an der Meinungsbildung teilzunehmen.

    Der thematische Bezug grenzt sich deutlich von der Thematik der „Sterbehilfe“ ab. Diese wird ausdrücklich nicht tangiert.

    Im Selbstverständnis des Kolpingwerkes Deutschland findet sich im Abschnitt 10 des Zitat: „Im Sinne Adolph Kolpings wollen wir Bewusstsein für verantwortliches Leben und solidarisches Handeln fördern.“[1]

    Was ist solidarischer als direkten Angehörigen den Wunsch nach Sterbebegleitung eines geliebten Menschen zu ermöglichen und hierbei als Gesellschaft sicherzustellen, dass diesen Menschen neben all dem erfahrenen Leid zumindest keine beruflichen und keine existenzbedrohenden finanziellen Risiken belasten?

    Weiterhin formuliert das Selbstverständnis, dass das Engagement für die Familie (Absatz 12) ein Schwerpunkt des Handelns ist. [2]

    Es ist unbestritten, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Kern- und  Schlüsselthema für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands ist. Familie und das Leben ist aber nicht nur Geburt, es ist auch die würdige Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und auch die Gewährung der zur Sicherstellung der Arbeitskraft notwendigen Trauerzeit.

    Hierzu gehört wiederum auch, das in Abschnitt 30 des christlichen Menschen und Weltbildes [3] festgehaltene Prinzip der Subsidiarität und Solidarität der katholischen Soziallehre als Orientierungshilfe „… für eine soziale Ordnung, die dem christlichen Menschenbild entspricht.“[4]

    Der besondere Auftrag zu diesem Positionspapier ergibt sich zudem aus Abschnitt 73 im Kapitel „Arbeit neu begreifen – Wir gestalten Arbeitswelt mit“.[5] Hier heißt es: “Die Voraussetzungen für die Wahlmöglichkeit zwischen und für die Vereinbarkeit von Familie, … und Beruf sind konsequent auszubauen.“[6]

    So wollen wir, zusammenfassend erklärt, mit dem vorliegenden Positionspapier klare Stellung beziehen und konsequent an ein oftmals vernachlässigtes elementares Lebensthema, den letzten Lebensabschnitt und die Bewältigung des Abschieds durch die Angehörigen, erinnern und erreichen, dass Angehörige durch die Nutzung einer zu schaffenden freien Wahlmöglichkeit Hilfestellung erhalten und weiterhin dazu beitragen, dass ein gesellschaftliches Umdenken bestärkt wird, das die Sterbebegleitung als wertvollen Teil des Lebens erfasst und versteht.

     


    [1] http://www.kolping.de/fileadmin/user_upload/Ueber_uns/Leitbild/PDF/002_Selbstverstaendnis_IdeeziehtKreise.pdf, 12.01.2016.

    [2] Ebenda, 12.01.2016.

    [3] http://www.kolping.de/fileadmin/user_upload/Ueber_uns/Leitbild/PDF/005_Grundlagen_Menschenbild.pdf, 12.01.2016.

    [4] Ebenda, 12.01.2016.

    [5] http://www.kolping.de/fileadmin/user_upload/Ueber_uns/Leitbild/PDF/011_Handeln_Arbeitswelt.pdf, 12.01.2016.

    [6] Ebenda, 12.01.2016