Begegnungsreise des Kolpingwerkes DV Trier nach Bolivien vom 22. September bis 14. Oktober 2018

Tag 1

Hinter uns liegt ein anstrengender und beeindruckender erster Tag unserer Begegnungsreise. Nachdem Carlos Mattos (Geschäftsführer Kolpingwerk Bolivien) uns über die Arbeit des Kolpingwerks Bolivien informiert hatte, besuchten wir mit Matilde Gonsalez (Regionaldirektorin Santa Cruz) die Kolpingfamilien Santa Cruz. Wir hatten intensive und herzliche Begegnungen mit beeindruckenden und starken Frauen.

Am Abend durften wir zusammen mit den Kolpingfamilien an der Bürgerparade zur Feier des Jahrestages der Stadt Santa Cruz teilnehmen. Und auch hier wurden wir mit großer bolivianischer Herzlichkeit einbezogen. Während wir, erschöpft von Flug, Jetlag und diesem intensiven Tag, ins Bett fallen, feiern die Cruceños noch bis zum Morgen.

Tag 2

Besuch bei zwei Privatschulen in Trägerschaft des Obra Kolping Bolivia. Engagierte Lehrer, fröhliche und aufgeweckte Kinder und Schulhund Yuma haben uns viel Freude bereitet.
Zum 1. Workshoptreffen kamen 60 Frauen aus 5 Kolpingsfamilien der Region Santa Cruz. Motiviert arbeiteten die Frauen mit der Delegation aus dem DV Trier in 5 Workshops u.a. Kosmetik, Schmuckherstellung, Präsentation der Kolpingarbeit und Acrylmalerei. Beeindruckend war das lockere und herzliche Miteinander und die Vielzahl der Verkaufsprodukte an den Ständen der Bolivianerinnen

Tag 3

Heute haben wir das Kolping Centro de Capacitacion in Sucre besucht. Hier werden junge Menschen in den Bereichen Gastronomie, Schönheitspflege, Pharmazie Erziehungswesen ausgebildet. Die Absolventen dieser Schule haben sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Leider sind die Platzkapazitäten sehr begrenzt, so dass zurzeit die Hälfte der Bewerber abgewiesen werden muss. Die Schule unterrichtet mittlerweile in drei Schichten, was zu einer großen Belastung der Lehrerinnen führt. Das große Engagement dieser Lehrerinnen und ihre Begeisterung für ihre Schüler haben uns wirklich sehr beeindruckt. Die Schule finanziert sich selbst aus Kursgebühren.

Tag 4

Heute hatten wir einen arbeitsreichen und kalorienreichen Tag im Centro de Capacitacion. Morgens haben wir zusammen mit den Schülern der Pastelería-Klasse deutsches Weihnachtsgebäck und Glühwein hergestellt. Am Nachmittag haben wir unter Leitung der Schüler bolivianische Spezialitäten hergestellt. Bei der Herstellung von TawaTawa, Rollo de Queso, Empanadas de Lacayote und Hojarrascas al Horno hatten wir alle zusammen viel Spaß. Beim gemeinsamen Kochen, Backen und Essen wurden Sprachbarrieren überwunden und viele Kontakte für die Zukunft geknüpft. Außerdem hat Petra jetzt die Haare schön.

Tag 5

Der Höhepunkt unseres Besuchs im Centro de Capacitacion. Die Schüler haben riesige Mengen an wunderbarem Essen vorbereitet. Gemeinsam mit den Kolpingfamilien der Region Sucre haben wir gefeiert, gegessen und getanzt. Ein rauschendes Fest. Vielen Dank für dieses wunderschöne Fest.

Schön, dass die Ausbildung im Centro de Capacitacion auch nachhaltig Früchte trägt. Jorge hat seinen Abschluss vor vier Jahren gemacht und nach mehreren Stationen hat er diesen Sommer sein eigenes Restaurant "El Majjal" eröffnet. Ein sehr lauschiges Plätzchen, an dem man gutes Essen genießen kann. In seiner einfachen und blitzsauberen Küche kocht Jorge klassische bolivianische Küche.

Tag 6

Heute morgen haben wir in der wunderschönen Kathedrale von Sucre am von Weihbischof Adolf Bittschi Mayer zelebrierten Gottesdienst teilgenommen. Anschließend konnten wir noch ein paar Stunden die schöne Stadt Sucre erforschen. Vor allem der lebendige und bunte Mercado Central hat es uns angetan. Am Nachmittag haben wir die Stadt in Richtung Uyuni verlassen.
Unseren freien Tag haben wir im Salar de Uyuni verbracht. Auf besonderen Wunsch des Gastronomie-Kurses präsentieren wir hier das tolle Geschenk unserer neuen Freunde aus Sucre, die Kolping-Kochmütze!

Tag 7

Heute morgen haben wir in der Casa Kolping in Oruro zwei sehr unterschiedliche Gruppen getroffen. Eine Gruppe zeigte uns sehr orginelle und kunstfertige Handarbeiten. Die andere Gruppe, trifft sich regelmäßig um Backen zu lernen und sich damit eine eigene Existenz aufzubauen.

Am nachmittag haben wir zwei weitere Kolpingfamilien kennengelernt. Die KF "Los Angeles" empfing uns mit einem traditionellen Atapi-Buffet und bolivianischen Tänzen. Mit der KF "Virgen de Mar" haben wir deren zwölften Geburtstag mit üppigem Essen und einer riesigen Torte.

Tag 8

Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Weinachtsbastelei. Wir haben gezeigt, wie man in Deutschland Tütensterne, Adventskalender, Engel und Christbaumkugeln aus Tonpapier bastelt. Alle unsere Schüler waren mit großem Interesse dabei und haben fleißig gebastelt, geschnitten und geklebt.
Nachmittags waren dann wir die Schüler. Mit großem Ehrgeiz haben unsere bolivianischen Lehrerinnen versucht uns in die Geheimnisse des Makramee einzuweihen und uns das Verflechten von Stoffstreifen zu geometrischen Mustern zu erklären.

Tag 9

Gestern waren wir sehr fleißig, also haben wir heute eine touristische Auszeit in Oruro genommen. Unter Führung unserer lieben Freundinnen Agripina Mamani Aroni und Daniela Lourdes Rios Mamani haben wir die Kirche Santuario del Socavón und die große Statue der Virgen del Socavón besucht. Zu Ehren der Madonna wird der berühmte Karneval von Oruro gefeiert. Der Karnevalszug endet zu Füßen der Madonna. Schon jetzt wird in der ganzen Stadt für diesen Festtag geübt.

Tag 10

Der Höhepunkt unseres Aufenthalts in Oruro. Ein Fest in der Casa Kolping, bei dem uns die Höhepunkte des berühmten Karnevals von Oruro präsentiert wurden. Vertreterinnen von 21 der 24 Kolpingfamilien der Region präsentierten uns ein tolles Programm. Ein farbenfrohes, lebendiges Fest boten die Frauen auf dem Sportplatz der Casa Kolping den Gästen aus Deutschland. Wunderschöne, selbsthergestellte Produkte wurden uns als Geschenke übergeben.

Tag 11

Nach einer langen Busfahrt sind wir in La Paz angekommen. Dort hat José Louis Vallejos (Regionaldirektor La Paz) uns die Stadt gezeigt. La Paz ist ein sehr lebendige, aufregende Stadt. Nach einer Rundfahrt über Valle de Luna, Plaza Murillo, Iglesia San Francisco und einer beeindruckenden Fahrt mit der grünen Seilbahn kamen wir erschöpft und voller neuer Eindrücke zurück in unser Hotel. Nach einer aufregenden Fahrt durch La Paz erreichten wir das Colegio Adolfo Kolping de Villa Dolores. Eine private Schule für Kinder von 4 bis 17 Jahren. Hier werden in einem schwierigen städtischen Umfeld 920 Schüler unterrichtet. Der Unterricht ist sehr liebevoll und für die jüngeren Kinder in Anlehnung an die Konzepte von Maria Montessori gestaltet. Obwohl das monatliche Schulgeld sehr gering ist, trägt die Schule sich selbst. Sehr große Freude bereitete uns auch die Schulband, die uns in einer Parade zu unserem nächsten Besuchstermin geleitete.
Nachdem uns die Schulband laut und liebevoll zum Hospital Villa Dolores geleitet hatte, wurden wir von Dr. Christian Rivas und David Flores in Empfang genommen. Mit großem Enthusiasmus zeigten sie uns ihre Klinik, die aus einer kleinen Notaufnahme gewachsen ist. Inzwischen werden hier Patienten fast aller Fachrichtungen für vergleichsweise wenig Geld versorgt. Im Hospital herrscht rege Bautätigkeit, da man sich große Mühe gibt Provisorien an ärztliche Standards anzupassen. Ein Spezialgebiet sind minimalinvasive Eingriffe, dazu kommen auch immer mehr Ärzte aus anderen Kliniken des Landes zur Ausbildung. Wir waren sehr beeindruckt mit wieviel Engagement und Energie hier gearbeitet wird. Durch die Initiative des Obra Kolping Bolivia haben die Mitarbeiter inzwischen geregelte Arbeitsverträge und Sozialversicherung, etwas, das in Bolivien nicht unbedingt üblich ist.

Letzter Stopp Cochabamba

Inzwischen haben wir mit Cochabamba die letzte Station unserer Reise erreicht. In der Casa Kolping wurden wir und zwei Kolping-Familien von den Lehrerinnen Teresa und Dany in die Geheimnisse der Handweberei eingeführt. Alle waren mit Eifer bei der Sache und es wurde viel gemeinsam gelacht. Wir konnten wieder mal feststellen, dass es beim gemeinsamen Tun keine Sprachbarrieren gibt. Auf dem Rückweg ins Hotel wurden wir dann noch mit der aktuellen politischen Stimmung Boliviens konfrontiert, da die verschiedenen politischen Lager die Straßen der Stadt blockiert hatten. Aber durch das beherzte Eingreifen von Alex und Ramiro haben wir nach zahlreichen Umwegen dann doch unser Hotel erreicht.

Frauenhaus Cochabamba

Zum Abschluss unserer Reise haben wir heute das Frauenhaus von Cochabamba besucht. Die engagierte und beeindruckende Leiterin Beatriz Iglesias führte uns durch das Gebäude und den dazugehörigen Kindergarten. Besonders freute uns, dass die durch Spendengelder finanzierte Reparatur des Daches inzwischen abgeschlossen wurde. Im Anschluss daran durften wir die aktuellen Bewohnerinnen und ihre Kinder kennenlernen. Das gemeinsame Spielen mit dem von uns mitgebrachten Schwungtuch brach schnell das Eis und alle hatten viel Spaß. Am Ende konnten wir einen Scheck des Kurfürst-Balduin-Gymnasiums Münstermaifeld www.kubagym.org übergeben. Die Theatergruppe der Schule hatte dieses Geld im Rahmen einer Veranstaltung für das Frauenhaus gesammelt. Vielen Dank dafür.

Bolivienpartnerschaft


Im Rahmen seiner nunmehr 32 -jährigen Bolivienpartnerschaft engagiert sich der Diözesanverband Trier für unterschiedliche Projekte des Internationalen Kolpingwerkes (IKW).

Dabei besteht ein reger Austausch zwischen Ehrenamtlichen des Kolpingwerk Bolivien und des Diözesanverband Trier. Gegenseitige Besuche geben Einblicke in das Werken und Schaffen des anderen und machen die individuellen Lebens- und Herangehensweisen aber auch Probleme verständlich.

Das Kolpingwerk Bolivien (Obra Kolping de Bolivia) wurde erst 1983 gegründet. Es umfasst ca. 130 Kolpingsfamilien und konzentriert sich in seinen Projekten auf berufliche Weiterbildung, Förderung von Kleinstunternehmen und Gesundheitsfürsorge. Der Diözesanverband unterstützt seine Partner in Bolivien auf unterschiedliche Weise: Die Bandbreite reicht von beruflicher Bildung, Existenzgründung, Verbandsaufbau, Gesundheitszentren bis hin zur Unterstützung des Kolpingfrauenhauses in Cochabamba. Unter Leitung von Beatriz Iglesias finden hier Mütter, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, mit ihren misshandelten Kindern Zuflucht.

Um die Partner in Bolivien zu unterstützen fließt der Erlös der Textilienverwertung durch Altkleider- und Schuhcontainer der Kolping Recycling GmbH in der DV Trier komplett in die Partnerprojekte.

Die Partnerschaft zum Kolpingwerk Bolivien blickt auf eine lange Tradition und soll auch in Zukunft von beiden Seiten weiter belebt und lebendig gestaltet werden. Für die Zukunft wünschen wir uns ein Fortbestehen der Erfolge und einen lebhaften Ausbau der bilateralen Partnerschaft auf Augenhöhe.