Newsletter März 2026:Der Impuls am Schluss

In diesem Jahr sind die christliche Fastenzeit und der muslimische Fastenmonat in den gleichen Zeitraum gefallen. Mit dem Aschermittwoch am 18. Februar und dem ersten Fastentag des Ramadan am 19. Februar begann für die Gläubigen beider Religionen eine besondere Zeit.
Die Fastenzeit ist mehr als nur der Verzicht auf etwas, auf alle Speisen tagsüber, auf Genussmittel oder Gewohnheiten für sieben Wochen. Das Fasten lädt ein, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, es neu zu entdecken für das eigene Leben. Was ist dieses Wesentliche? Das Wort hat alt- und mittelhochdeutsche Wurzeln und Verwandtschaften zu vielen anderen Sprachen und bezeichnet das Sein, das Verweilen, die Existenz, das Leben, den Kern einer Sache, den Charakter eines Menschen.
In Kapitel 58 bei Jesaja verbindet Gott das Fasten mit einem Handeln für die Gemeinschaft. Wer fastet, soll auch etwas tun gegen soziale Missstände und Ungerechtigkeiten. Bei Jesaja finden sich ganz konkrete Beispiele: ungerechte Fesseln zu lösen, den Hungrigen Brot zu brechen, Heimatlose aufzunehmen, Nackte zu kleiden. Jesus greift dies in einem Gleichnis auf (s. Mt 25). Gott will das Fasten nicht als Selbstzweck verstanden wissen oder als gläubige Schmeichelei. Wesentlich ist, nicht beim Ich stehen zu bleiben, sondern weiter zu sehen und zu gehen. Das Fasten bietet Gelegenheit loszulassen, was mich belastet oder hindert. Es kann neue Freiheit schenken und den Blick weiten auf die Menschen um mich herum, die Gesellschaft und die Welt. In meinem Tun soll der Nächste nicht vergessen werden.
Am zweiten Wochenende von Ramadan und Fastenzeit hat mein Nachbar in seinem Vorgarten gearbeitet, Unkraut gejätet und altes Laub entfernt. Und er hat auch meinen Vorgarten gesäubert, er hat nicht an der Grenze Halt gemacht. Er hat ist bei sich und seinem Grundstück stehen geblieben, sondern hat seine Zeit und Kraft auch in meinen Garten investiert. Trotz oder vielleicht wegen seines Fastens. Und zur Ehre Allahs.
Ein Fasten, an dem Gott Gefallen hat.
