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Hoffnungszeit

Impuls zu Karsamtag zur Fastenzeitaktion „Rien ne va plus. – Nichts geht mehr. Wirklich?“ der Pfarrei Vallendar St. Maria Magdalena im Pastoralen Raum Koblenz
Osterglocken vor blaugrünem Hintergrund
Datum:
4. Apr. 2026
Von:
Josef Pfaffenheuser, Kolpingsfamilie Vallendar

„Kreuz, zu dem ich fliehe, aus der Dunkelheit; statt der Angst und Mühe ist nun Hoffnungszeit.“ (GL 270, 2) 
Diese Liedzeile begleitet mich in diesen Tagen besonders.
Denn der Karsamstag ist ein seltsamer Tag – ein Tag dazwischen.
Karfreitag ist vorbei – das Kreuz steht noch.
Ostern hat noch nicht begonnen – das Licht ist noch nicht entzündet.

Der Karsamstag ist der Tag, an dem man sagen könnte:
Rien ne va plus. – Nichts geht mehr. Jesus ist tot. Die Hoffnung liegt im Grab.
Alles, worauf wir vertraut hatten, scheint zerbrochen.

Ich stelle mir vor, wie still es damals gewesen sein muss.
Die Jüngerinnen und Jünger versteckt, verängstigt, ratlos.
Vielleicht dachten sie: Wir haben uns getäuscht. Alles ist vorbei.

Manchmal kenne ich solche Karsamstag-Momente auch aus meinem Umfeld:
Wenn Pläne zerbrechen.
Wenn ein Mensch krank wird.
Wenn eine Beziehung endet.
Wenn eine Nachricht alles verändert.

Und auch wenn ich auf unsere Welt schaue, gibt es viele solcher Momente:
Wenn ich die Bilder aus Kriegsgebieten sehe – zerstörte Städte, Menschen auf der Flucht.
Wenn ich höre von Gewalt, Terror und Hass.
Wenn die Nachrichten von Naturkatastrophen berichten.
Wenn Menschen einsam sind, obwohl sie mitten unter uns leben.
Wenn Vertrauen verloren geht – in der Gesellschaft, in der Kirche, manchmal sogar im eigenen Leben.

Dann kommt sie wieder, diese leise, schwere Frage: Geht überhaupt noch etwas?
Oder ist es wirklich so: Rien ne va plus?

Und genau da spricht dieser Liedtext in mein Herz:
„Kreuz, zu dem ich fliehe, aus der Dunkelheit; statt der Angst und Mühe ist nun Hoffnungszeit.“
Das Kreuz als Folterinstrument ist an sich kein Zeichen der Hoffnung; es ist ein Zeichen des Scheiterns, ein Zeichen von Gewalt und Tod.

Und doch fliehen Christen seit Jahrhunderten zu diesem Kreuz. Warum?
Weil wir wissen: Gott ist selbst in diese Dunkelheit hineingegangen, er ist nicht ferngeblieben, er hat sich nicht herausgehalten, er kennt den Schmerz, die Angst, das Gefühl, dass alles verloren ist.

Der Karsamstag sagt mir: Gott ist auch dort, wo wir ihn gerade nicht sehen: im Grab, in der Stille, in der scheinbaren Hoffnungslosigkeit.

Gerade dieser Tag erinnert mich daran:
Hoffnung entsteht nicht erst dann, wenn alles gut ist.
Hoffnung beginnt oft gerade mitten im Dunkel, noch bevor das Licht sichtbar wird, noch bevor sich etwas verändert.

Die Jünger wussten es damals nicht – aber in diesem stillen Karsamstag arbeitete Gott schon an Ostern.
Vielleicht ist das auch heute so.
Vielleicht wächst Hoffnung auch dort, wo wir sie noch nicht erkennen:
In Menschen, die trotz allem für Frieden arbeiten.
In Ärztinnen und Pflegern, die jeden Tag Leben schützen.
In Menschen, die Geflüchtete aufnehmen.
In Jugendlichen, die sich für unsere Erde einsetzen.
In Nachbarn, die füreinander da sind.
In stillen Gesten der Freundlichkeit, die kaum jemand bemerkt.
Vielleicht wächst Hoffnung sogar in mir – leise, unscheinbar, fast verborgen.

Der Karsamstag ist der Tag der großen Frage:
Rien ne va plus. – Wirklich?

Unser Glaube antwortet darauf: Noch nicht sichtbar, noch nicht laut, noch nicht endgültig.
Aber: Die Hoffnung lebt.
Denn Gott hat das letzte Wort nicht dem Tod überlassen.

Darum darf ich heute, mitten im Karsamstag, schon ahnen:
Das Grab ist nicht das Ende. Die Dunkelheit wird nicht siegen.
Und selbst wenn alles danach aussieht, als ob nichts mehr geht – Gott geht weiter.
Und wo Gott weitergeht, da wächst Hoffnung.
Denn am Ende gilt: Nicht die Angst siegt, nicht das Scheitern, nicht der Tod.
Die Hoffnung siegt.

Nun ist Hoffnungszeit.