Im Interview: Leila Petronyte - Freiwillige im Sozialen Friedensdienst in Oberwesel

Leila Petronyte aus Kaunas war von März 2025 bis Februar 2026 zum Freiwilligendienst am Mittelrhein. Vor ihrer Zeit in Oberwesel hat sie mit anderen "SoFiA-Freiwilligen" aus Bolivien, Ruanda und weiteren Ländern einen vierwöchigen Sprachkurs in Trier gemacht. Sie ist die erste Litauerin, die mit Kolping und SoFiA diesen Friedensdienst geleistet hat. Im Rückblick auf ihr Freiwilligenjahr hat Leila uns ein paar Fragen beantwortet.
Leila, wie hast Du vom Freiwilligendienst über SoFiA erfahren?
Es war nur mein Glück, dass ich Lina Kalibataite von Kolping Litauen getroffen habe und sie mir alles erzählt hat.
Warum hast Du Dich entschieden, in Deutschland ein freiwilliges soziales Jahr zu machen?
In 2024 habe ich die Schule beendet. Das Jahr war sehr anstrengend für mich. Ich hatte einen Plan studieren zu gehen, aber ich hatte nicht gewusst, welches Fach ich lernen sollte. Ich hatte auch Angst, dass die Universität zu schwer sein kann nach so einem stressigen Jahr. Aber ich hatte viel Glück, weil ich Lina von Kolping Litauen getroffen habe; und sie hat mir einen Tipp gegeben, dass ich ein „gap year“ machen kann als Freiwillige in Deutschland. Ich habe nicht viel gedacht und einfach ja gesagt, weil das eine perfekte Gelegenheit für mich war.
Du hast ein Jahr im Loreley-Seniorenzentrum Oberwesel mitgearbeitet. Was hat Dir dort besonders gut gefallen? Und was war schwierig?
Das Zentrum hat überall sehr positive Energie. Es war immer Spaß, mit Bewohnern zu babbeln (sprechen). Alle Kolleginnen waren immer sehr freundlich, hatten viel Geduld mit meinem nicht so guten Deutsch. Wenn ich frisch angekommen war, hatte ich keine Erfahrung und viel Angst; alle waren sehr geduldig und haben alles vielmal geschaut.
Die Arbeit war sehr schwer für mich. Ich habe für 8 Monate in der Pflege gearbeitet und das hat mir nicht sehr viel gefallen. Die Bewohner waren normalerweise freundlich und verständnisvoll, aber es ist alles schwer, wenn sie dement oder depressiv oder sehr krank sind. Und Aufgaben wie duschen oder waschen waren immer emotional schwer. Darum ich habe später in die Sozialbetreuung gewechselt. Das war hundert mal besser.
Hattest Du in diesem Jahr Gelegenheit, ein bisschen was von Deutschland kennenzulernen? Welche Eindrücke hast Du von unserem Land?
Karneval war für mich eine große Überraschung. Litauen hat auch etwas wie das, aber nicht so groß und lustig.
Also, vielleicht komisch: aber Transportmittel wie U-Bahn, ICE, Züge überall etc. und das Deutschland Ticket. Ja, da gibt immer Probleme mit der Deutschen Bahn; aber der Fakt, dass man egal wo mit einem Ticket und verschiedenen Transportmitteln fahren kann, ist etwas Besonderes. Litauen ist zu klein für so viele Transporte. :-) Da gibt vielleicht fünf Züge und Busse. Und jede Stadt hat ein anderes Ticket System.
Dann gibt es auch so viele verschiedene kulturelle Menschen. Und viel alte und schöne Architektur.
Kannst du jungen Menschen empfehlen, ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland zu machen?
So erste Punkt für ein Muss: eine neue Kultur kennen zu lernen. Meine Erfahrung: Ja, die deutsche Kultur ist nicht so anders als Litauische, aber da gibt immer etwas Neues.
Dann zweitens: Sprache. Ich hatte fast kein Deutsch gewusst, aber jetzt ist anderes. Ja, es ist nicht perfekt, aber genug mit lokalen Leuten zu reden. Vielleicht ist Deutsch nicht so spezial für die Menschen, die das lesen; aber da [über SoFiA] gibt es so viele Projekte in der ganzen Welt. Ich denke, Bolivia ist eins der populären Länder, so da gibt‘s Spanisch; aber auch Ruanda mit Kinyarwanda. Oder komm einfach nach Litauen und lerne Litauisch, wenn anderen Kontinenten viel zu weit sind. Dann ich kann selbst etwas dir helfen zu lernen. ;-) Mit Sprache kommen auch viele neue Freundschaften. Das ist immer schön, neue Menschen kennen zu lernen.
Auch das Leben alleine und dass ich nicht viel denken muss über Sachen wie Miete oder Essen, weil alles über das Projekt kommt. Viel Freizeit ohne Eltern, das war sehr gut für mich, weil ich mir dann keine Sorgen machen musste über meine Familie, nur über mich selbst.
Und dann der letzte Punkt, denke ich, ist einen neuen Beruf zu probieren. Ich weiß jetzt, dass Pflege und Sozialarbeit nicht für mich ist. Und das war eine gute Erfahrung.
Vielen Dank, Leila. Alles Gute für Deine Zukunft!
Inzwischen ist sie zurück in Litauen und will dort ein Studium beginnen. Wer noch mehr von ihrem Einsatz in Oberwesel lesen will, findet einen Bericht von Leila (auf Englisch) bei SoFiA.
