Osterfreude?!

Heute fällt mir die Osterfreude echt schwer: Freund*innen im Iran, in Israel, der Ukraine, Nigeria und vielen anderen Gebieten unserer Welt sind im Kriegs- oder Krisenmodus. Ich versuche seit Wochen, Sr. Geraldine in Nigeria zu erreichen. Sie arbeitet mit Mädchen und jungen Frauen, um ihnen Bildung und Erziehung zu ermöglichen; doch das Stromnetz ist extrem störungsanfällig, die Generatoren haben kein Benzin und die Solarpaneele haben terroristische Gruppierungen wie Boko Haram zerstört oder gestohlen. Im Iran sitzen die Familien von Freundinnen in ihrem Zuhause fest und es gibt nur ganz selten eine Möglichkeit, in Kontakt zu treten. Von den Benediktinern der Dormitio und anderen Freund*innen in Israel höre und lese ich zumindest noch regelmäßig … schon ein gutes Zeichen. Wir laufen in vollem Tempo in die Klimaveränderungen und sehen die immer drastischeren politischen Entscheidungen in Europa, den USA und Israel voll Sorge um Humanität, Frieden und Gerechtigkeit.
Und heute feiern wir Ostern, nach den großen Fürbitten vom Karfreitag mit Urbi et Orbi, dem Segen für Stadt und Welt, der den Frieden Gottes und des Auferstandenen Jesus Christus verheißt. Wie schwer fällt es mir gerade, diese Osterbotschaft zu hören und nicht wegzulaufen! Und genau darum ging es auch vor mehr als 2000 Jahren! Die Römer hielten mit ihrem Weltreich die bekannte Welt besetzt, dachten jede*r muss sich ihrer Philosophie, Politik, der Gesellschaft römischen Vorbilds und nicht zuletzt ihrem Bildungsideal unterwerfen. Wer die Macht hat, übt sie aus und am besten geht das mit Gewalt – mit Knüppeln, Schwertern … Gewehren, Granaten, Raketen und Drohnen!
Jesus hat mit seiner Botschaft dem widersprochen: Ihm ging es nie um weltliche Macht, politischen und wirtschaftlichen Reichtum oder eine mächtige Elite, sondern um den Menschen, genauer den und die am Rand der Gesellschaft, der eigenen „Klasse“, des eigenen Standes. Jesus hat andere Maßstäbe gesetzt:
Frieden gegen Gewalt – Solidarität gegen Privilegien – Gemeinschaft gegen Individualismus – Reich Gottes gegen Herrschaftsstrukturen. Er hat es „Reich Gottes bauen“ hier und heute in dieser Welt genannt.
In seinem Wirken wurde dies darin deutlich, dass er dem entgegensteht, was zerstörerisch, egoistisch, destruktiv ist. Gemeinsam auf dem Weg zu sein – miteinander und voneinander lernen – gemeinsame Ziele verfolgen und erreichen, auch wenn es auf Widerstände, Unverständnis und Schwierigkeiten hinausläuft.
Genau das feiern wir heute: Die Zusage Gottes, dass der Tod besiegt ist und es trotz aller anders lautenden vernünftigen Argumentationen eine NEUE WELT geben kann und wird. Und so wünsche ich Euch und Ihnen heute von Herzen „Frohe und Gesegnete Ostern“, dass es gegen alle Widerstände gut werden kann – so wie es das Reich Gottes sein wird.
