Wenn du drei Wünsche frei hättest

„Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir wünschen?“
Diese Frage habe ich vor kurzem Schülerinnen und Schülern der neunten Klasse bei Orientierungstagen gestellt. In diesen Tagen sollen sie auf ihr Leben schauen – auf das, was sie ausmacht, wer sie geworden sind und welche Entfaltungsmöglichkeiten in ihnen stecken. Dabei sollen sie sich selbst besser kennen lernen, aber auch ihre Mitschülerinnen und Mitschülern.
Bei einem Speeddating wurde also die Frage nach den drei Wünschen formuliert. Da kamen materielle Antworten wie Häuser und Geld. Jetzt kann man diese Wünsche der 14-Jährigen belächeln und als oberflächlich abtun.
Letztlich zeigen sie für mich aber eine Sehnsucht, die viele Menschen in sich tragen: eine Sehnsucht nach einer geheilten und ganzen Welt. Einer Welt, in der mein Körper mir keine Schwierigkeiten macht durch sein Aussehen, das nicht den eigenen Ansprüchen genügt – oder mich durch Krankheiten herausfordert. Einer Welt, in der sich Menschen (Männer und Frauen!) anständig und ordentlich benehmen – mit Zurückhaltung und einem Blick für die Bedürfnisse anderer Menschen.
Ich glaube, meine Schülerin teilt damit den Wunsch nach einer Welt, wie sie Jesus von Nazareth wollte: eine Welt von Annahme und Mitgefühl, Gerechtigkeit und Liebe. An Gründonnerstag hören wir in den Gottesdiensten die Geschichte von der Fußwaschung. Und damit bringt Jesus praktisch zum Ausdruck, was der Auftrag derer ist, die ihm nachfolgen: sich in den Dienst nehmen zu lassen. Füße zu waschen, keine Köpfe.
Wenn Jesus einen Wunsch frei hätte, dann vielleicht, dass wir einander genau so begegnen, wie er es als Beispiel in der Fußwaschung getan hat.
