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Christliche Organisationen fordern globale Energiewende

Ein Bündnis von über 120 christlichen Organisationen aus 20 EU-Staaten richten einen dringenden Appell an die EU: „Europa, bleibe unserem gemeinsamen Haus treu.“
zwei Frauen stehen auf der Wiese, eine Frau gibt der anderen eine kleine Pflanze
Datum:
21. Mai 2026
Von:
Kristina Arens

In Zeiten tiefgreifender globaler Unsicherheit und Konflikte, die die wachsenden Risiken der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen schmerzhaft vor Augen führen, fordern die christlichen Organisationen, an ihren Gründungswerten festzuhalten und eine gerechte Energiewende entschieden voranzutreiben. Die Initiative kommt zu einem politisch wichtigen Zeitpunkt: Im zweiten Halbjahr 2026 übernimmt Irland die EU-Ratspräsidentschaft, kurz vor der nächsten internationalen Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Energien, die Irland und Tuvalu Anfang 2027 gemeinsam ausrichten werden.

Zu den unterzeichnenden Organisationen gehört unter anderem das Zentralkomitee der deutschen Katholiken(ZdK), in dem auch Kolping Deutschland als Mitglied vertreten ist. 

„Europa steht vor einer klaren Wahl: den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen anzuführen oder sich auf die Seite der umweltschädlichsten Unternehmen zu stellen, die für die Hälfte der weltweiten Kohlenstoffemissionen verantwortlich sind“, heißt es in dem Dokument. Diese Forderung deckt sich mit der Stimmung in der Bevölkerung: Das jüngste Eurobarometer zeigt, dass eine überwältigende Mehrheit der europäischen Bürger*innen weiterhin entschlossen den Klimaschutz unterstützt. Dies ist auch eine Preisfrage: Durch den Iran-Krieg machen Öl- und Gaskonzerne riesige Zusatzgewinne, während Bürger*innen mehr zahlen. Gleichzeitig konnten Erneuerbare viele Milliarden Euro weiterer fossiler Importe pro Monat ersetzen.

Die Unterzeichnenden zeigen sich jedoch zutiefst besorgt darüber, dass die EU derzeit ihre eigene Gesetzgebung aufweicht und ihrer Rolle als globaler Vorreiter im Klimaschutz den Rücken kehrt. Klimaverpflichtungen werden verzögert, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen erhöht, Sorgfaltspflichten geschwächt und soziale sowie ökologische Schutzmaßnahmen abgebaut.

„Wenn Menschen aufgrund der Klimakrise leiden oder sogar ihr Leben verlieren, wird ihre Würde missachtet. Ich sage es klipp und klar: Wer das verhindern will, muss Gesetze machen, die ambitionierte Klimaziele umsetzen", fordert Dr. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Nur so werde politische Verantwortung für die Schöpfung wahrgenommen. Deshalb müsse Schluss mit dem Aufschub bei der Klimapolitik sein. 

„Diese Kampagne kommt zu einem kritischen Moment. Die zweite globale Energiekrise in weniger als fünf Jahren und schwere Konflikte führen uns unsere gemeinsame Abhängigkeit und Verwundbarkeit vor Augen. Europa hat die einzigartige Chance und moralische Pflicht, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu beschleunigen und auf saubere Energien umzustellen – auch durch eine dauerhafte Steuer auf die riesigen Gewinne der fossilen Energieträger“, erklärt Dr. Lorna Gold, Geschäftsführerin des Laudato Si’ Movements.

Georg Sauerwein von der Christlichen Initiative Klimagerechtigkeit erklärt: “Während die Kosten fossile Energie gerade arme Bürger*innen belasten, beobachten wir die Verlangsamung der nötigen Transformation durch zunehmende Angriffe auf etablierte Gesetze. Das Statement so vieler christlicher Organisationen setzt ein klares Zeichen für Menschen und gegen die Interessen veralteter Industrie.” 

Als Antwort auf die Not der am stärksten gefährdeten Menschen und die sich verschärfende ökologische Krise – und im Einklang mit den Forderungen von Kirchenvertreter*innen des Globalen Südens nach einer gerechten Energiewende – fordern die Unterzeichnenden vier sofortige Maßnahmen:

  • Ausstieg aus fossilen Brennstoffen: Festlegung einer klaren Ausstiegsstrategie für Kohle bis 2030, Gas bis 2035 und Öl bis 2040. Dies muss mit einem sofortigen Stopp aller neuen fossilen Explorationen und dem Ende von Genehmigungen für neue fossile Infrastrukturen einhergehen
  • Gewinnsteuer und Subventionsstopp: Einführung einer dauerhaften Steuer auf die massiven Gewinne fossiler Unternehmen.
  • Investitionen in saubere Energie und Suffizienz: Massiver Ausbau von Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektrifizierung
  • Klimafinanzierung und soziale Gerechtigkeit im EU-Budget: Der nächste siebenjährige EU-Finanzrahmen (MFF), der bis Ende 2027 beschlossen werden muss, muss jene Menschen priorisieren, die ihre Energierechnungen nicht mehr bezahlen können, statt die Interessen von Konzernen zu bedienen, die Milliardenprofite anhäufen.