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Sozialstaat modernisieren – aber niemanden zurücklassen

KOLPING begrüßt zentrale Ansätze der geplanten Sozialstaatsreform, warnt aber: Effizienz darf nicht zulasten sozialer Sicherheit gehen.
Menschen verschiedener Generationen im Gespräch, im Hintergrund eine Stadt und Bäume
Datum:
24. Juli 2026
Von:
Kristina Arens

Kolping Deutschland bewertet die Vorschläge der Expertenkommission zur Reform des Sozialstaats differenziert. Verwaltungsabläufe zu vereinfachen, Sozialleistungen besser zu bündeln und digitale Angebote auszubauen, sei grundsätzlich der richtige Weg. Gleichzeitig dürfe die Reform nicht dazu führen, dass Menschen mit geringem Einkommen schlechter gestellt oder notwendige Leistungen eingeschränkt werden.

Positiv bewertet KOLPING insbesondere die geplante Bündelung steuerfinanzierter Sozialleistungen sowie ein digitales Sozialportal, das den Zugang zu Leistungen erleichtern soll. Weniger Bürokratie und klarere Zuständigkeiten könnten dazu beitragen, dass Menschen schneller und einfacher die Unterstützung erhalten, die ihnen zusteht.

Gleichzeitig warnt der Verband davor, dass eine Zusammenführung von Leistungen nicht mit einem versteckten Leistungsabbau einhergehen darf. „Das Zusammenlegen von Sozialleistungen darf nicht zu Kürzungen durch die Hintertür führen“, sagt Klaudia Rudersdorf, Bundesvorsitzende von Kolping Deutschland. Gerade Familien müssten auch künftig bedarfsgerecht unterstützt werden. Unterschiedliche Lebenssituationen – etwa bei Wohnkosten oder Kinderzahl – müssten weiterhin angemessen berücksichtigt werden.

Auch die Digitalisierung der Verwaltung sieht KOLPING als Chance, sofern sie niemanden ausschließt. Persönliche Beratungsangebote müssten insbesondere für ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Personen mit geringen digitalen Kompetenzen anlass- und personenbezogen verfügbar bleiben. 

Mit Blick auf die Arbeitsmarktpolitik unterstützt KOLPING das Ziel, Menschen nachhaltig in Beschäftigung zu bringen. Entscheidend seien jedoch Qualifizierung, Weiterbildung und individuelle Förderung statt eines einseitigen Vermittlungsvorrangs. Verschärfte Sanktionen lehnt der Verband ab. Sie könnten Armut verfestigen, Familien belasten und das verfassungsrechtlich garantierte Existenzminimum gefährden, ohne die eigentlichen Ursachen von Arbeitslosigkeit zu beseitigen.

Für KOLPING steht fest: Ein starker Sozialstaat bleibt unverzichtbar für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Modernisierung des Sozialstaats kann nur gelingen, wenn soziale Sicherheit und Menschenwürde gewahrt bleiben. Deshalb fordert der Verband, die Sozial- und Wohlfahrtsverbände eng in die weitere Ausgestaltung der Reform einzubeziehen.

Zum Beschluss des Bundesvorstandes im Wortlaut